
Stimmungen, die sich im Laufe der Jahreszeiten verändern: Das haben schon die antiken griechischen Ärzte Hippokrates und Aretajos beschrieben. Dabei gilt: Der November-Einbruch trifft nicht nur psychisch angeschlagene, sondern auch völlig gesunde Menschen. Er tritt in Skandinavien stärker als in Deutschland und im Mittelmeerraum überhaupt nicht auf. Daran können Sie bereits erkennen, was der Auslöser ist: der Mangel an Tageslicht. Licht ist keineswegs nur zum Sehen da, sondern beeinflusst auch unsere Stimmung – und unseren Appetit. An kurzen und dunklen Wintertagen trifft zu wenig Tageslicht auf die Netzhaut der Augen. Das Gehirn reagiert prompt und schaltet auf „mehr schlafen“. Die Folge: Der Schlaf-Wach-Rhytmus ist durcheinander, die innere Uhr gerät aus dem Takt. Sie werden müde und schlapp – die Laune sinkt.
Wie können Sie für gute Laune sorgen?
Ein Süßigkeiten-Verbot hilft nicht viel: Es erhöht nur den Frust – und Sie würden es nicht lange durchhalten. Besser: Suchen Sie sich das Leckerste aus, was Sie mögen. Genießen Sie es in Ruhe und ohne schlechtes Gewissen. So erreichen Sie Ihr Ziel: mit einer kleinen Portion wirklich zufrieden zu sein. Der beste Stimmungsmacher ist jedoch Tageslicht. Gehen Sie täglich mindestens 30 Minuten an die frische Luft. Am hellsten ist es zwischen 10 und 15 Uhr. Ideal ist es, wenn Sie sich dazu auch noch intensiv bewegen. Ein strammer Marsch, Joggen oder Skilanglauf vertreiben die dunklen Schatten von der Seele.
Lampen einschalten?
Als einzige Maßnahme ist das nicht ausreichend. Doch zusätzlich zum Aufenthalt im Freien ist es hilfreich. Der Grund: Es besteht ein Riesen-Unterschied zwischen natürlichem und künstlichem Licht. Die Lichtintensität wird in Lux gemessen (1 Lux = Lichtstärke einer Kerze). Eine normale Zimmerbeleuchtung erreicht ca. 500 Lux; das Licht im Freien aber selbst an grauen Novembertagen an die 1.500 Lux! Bei Sonne können es 4.000 Lux sein. Es ist also sinnvoll, auch bei starker Bewölkung nach draußen zu gehen.
Therapie mit Licht
Sind die Beschwerden zu stark, hilft diese Form der Behandlung. Sprechen Sie sie bitte vorab gründlich mit Ihrem Arzt ab. Spezielle Lichttherapie-Geräte erhalten Sie in Elektrofachgeschäften oder Sanitätshäusern. Sie kosten ab 250 Euro. Das Gerät stellen Sie einfach auf einen Tisch und setzen sich mit offenen Augen davor. Bei einer Leistung von 2.500 Lux beträgt die Behandlungsdauer 2 Stunden, bei 10.000 Lux 30 bis 40 Minuten täglich. Schon nach 1 Woche fühlen sich viele Betroffene besser.
Johanniskraut als Stimmungsheber
Johanniskraut bringt warme Sonnenstrahlen in depressive Gemüter. Das behauptete schon der Arzt Paracelsus im Mittelalter (ihn stellen wir übrigens nächste Woche genauer vor). Denn die Pflanze öffnet ihre leuchtend gelben Blüten Ende Juni. Also dann, wenn die Tage am längsten und hellsten sind. Die Kraft, die sie dann aufnimmt, kann sie im Winter an die Menschen abgeben – so die verbreitete Meinung. Die Experten sind sich weniger einig. Einige Versuche belegen die Wirksamkeit des Krauts, andere nicht. Klar ist: Die Heilpflanze muss extrem hoch dosiert sein, um überhaupt einen Effekt zu erzielen. Solche Präparate erhalten Sie ausschließlich in der Apotheke. Sie enthalten ein Johanniskrautextrakt, also eine besonders hohe Wirkstoffmenge.
Woher kommt der Heißhunger auf Süßes?
Wenn das Tageslicht fehlt, steigt die Lust auf Kalorien. Denn Zucker
sorgt im Körper für eine Gegenreaktion: Das Gehirn schüttet
Glückshormone aus – die Laune hebt sich! Einen vergleichbaren Effekt
erzeugt Fett. Aber es wirkt langsamer. So erklärt sich, warum wir in
der dunklen Jahreszeit instinktiv nach Keksen, Lebkuchen, Glühwein und
Gänsebraten greifen!
Gewürze wie Muskat und Safran, aber auch Scharfes wie Chili und Pfeffer fördern das Wohlbefinden, ohne „ins Gewicht zu fallen“. Würzen Sie im Winter besonders intensiv, damit das Essen Sie rundum befriedigt und sättigt. Geben Sie Zimt und Kardamom in Ihren Tee, dann brauchen Sie weniger Kuchen und Kekse dazu.