Ausgabe vom Montag, 10. Mai 2010



Konfliktgeprüft in Schortens

Liebe Leserin, lieber Leser,

in der Stadt Schortens bei Jever achten seit wenigen Wochen 2 neue Außendienstmitarbeiterinnen des Ordnungsamtes darauf, dass die Bürger der im nordwestlichen Niedersachsen gelegenen Stadt ihre Hunde anleinen und deren Haufen einsammeln. Und sie kontrollieren Parkscheiben.  

Das ist einen Tätigkeit, für die starke Nerven gebraucht werden und eine Fähigkeit, die auch Sie als Chef benötigen: nämlich die, Konfliktgespräche führen zu können.

In meinen heutigen Chefletter lesen Sie dazu 2 wichtige Tipps, mit denen Sie auf künftige Konfliktgespräche bestens vorbereitet sind.

Ihr
Dr. Marc-Wilhelm Kohfink



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Mit einem Kritikgespräch können Sie das Vertrauen eines Mitarbeiters verlieren.



1. Die Gewinn-Gewinn-Strategie bringt allen Nutzen

Die Mitarbeiterinnen in Schortens sollen keine Knöllchen verteilen. Es geht den Stadtoberen nicht darum, die Stadtkasse zu füllen. Damit unterscheiden sie sich z. B. von ihren Berufskolleginnen in Berlin. Denen geht es vor allem um den Sieg über den Hunde- oder Autohalter und darum, die eigene Position durchzusetzen.

Machen Sie es anders: Mit der Gewinn-Gewinn-Strategie gehen Sie anders an einen Konflikt heran. Entscheidend ist hier, im Konfliktfall eine Lösung zu finden, die allen Parteien einen Nutzen bringt.

Die Idee der Gewinn-Gewinn-Strategie wurde vor allem vom amerikanischen Autor Stephen Covey bekannt gemacht. Herkömmliche Gesprächsstrategien für den Konfliktfall zielen darauf ab, den Konfliktgegner argumentativ zu bekämpfen, um die eigene Position durchzusetzen. Beim Gewinn-Gewinn-Prinzip ist es unerheblich, wer letztlich recht hat. Es geht nicht mehr um Positionen, sondern darum, eine Lösung zu erzielen, in der die Interessen aller Konfliktparteien zufriedenstellend berücksichtigt sind.

Um zu Gewinn-Gewinn-Lösungen zu kommen, sollten Sie in Konfliktgesprächen immer die Interessen der Parteien in den Vordergrund stellen und nicht die Positionen. Nutzen Sie dafür die 4 folgenden Fragen:
1. Um was genau geht es eigentlich in dieser Situation?
2. Welches sind die Positionen, und welche wahren Interessen liegen dahinter?
3. Was will eine Person mit der jeweiligen Position erreichen – was sind der Nutzen, das Interesse hinter dieser Position?
4. Könnte sie den Nutzen auch auf andere Art erreichen?



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2. Legen Sie Ihre Worte auf die Goldwaage

Stellen Sie sich vor, Sie kommen gerade zu Ihrem Auto zurück und bemerken, wie eine Beschäftigte des Ordnungsamts Ihr Kennzeichen notiert. Sie sind verunsichert - aber genauso die Aufschreiberin, wenn Sie sich mit Ihren 105 kg Muskelmasse vor ihr aufbauen.

  • Das ist typisch für Konfliktgespräche: Die  Konfliktparteien sind verunsichert und mißtrauen sich gegenseitig. Die Kommunikation ist deshalb nicht offen, sondern oft unaufrichtig.
  • Die Betroffenen nehmen das, was gesagt und getan wird, viel schärfer wahr als unter normalen Umständen. Jedes Wort wird auf die sprichwörtliche Goldwaage gelegt. Dadurch wird die Kommunikation enorm erschwert.
  • Im Konfliktfall versuchen meist alle Beteiligten, recht zu behalten und selbst gut dazustehen, was die Bereitschaft, sich selbstkritisch zu prüfen, reduziert. Deshalb erleben die Parteien auch ihr eigenes Verhalten als überwiegend positiv und das des anderen als überwiegend negativ. Wichtige Informationen können so verschwiegen und unwesentliche aufgebauscht werden.

Der Chefletter-Tipp: Sie sollten mit der Grundeinstellung in jedes Konfliktgespräch gehen, dass Sie zunächst einmal den anderen verstehen wollen und erst dann sich selbst verständlich machen. 



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