
Ausgabe vom Montag, 24. Mai 2010
Bringen Sie sich in Position
 Liebe Leserin, lieber Leser,
nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen stehen im bevölkerungsreichsten Bundesland "schwierige Gespräche" an. Das sagen jedenfalls die möglichen künftigen Koalitionäre übereinandern und fügen wie Grünen-Chef Cem Özdemir als Begründung hinterher, die anderen Gesprächspartner seien "nicht regierungsfähige Parteien". Sie müssten sich bewegen. Wie Sie richtig vermuten, ist das zwar nur Vorgeplänkel. Die Verhandlungsparteien nehmen ihre Positionen ein. Am Ende aber werden sich alle bewegt haben. Erfahrene Verhandler wissen nämlich, dass Machtkämpfe und das sture Verharren in einer Position genauso wenig zu konstruktiven Lösungen führen wie ein bereitwilliges Nachgeben. In meinem heutigen Chefletter finden Sie Tipps für Ihre nächste Vorbereitung auf schwierige Verhandlungen, damit Sie die best möglichen Verhandlungsergebnisse für sich und Ihre Firma erzielen.
Ihr
Dr. Marc-Wilhelm Kohfink
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„Gut begonnen ist halb gewonnen“
 Umfangreiches Hintergrundwissen ist gerade in kritischen
Verhandlungssituationen wichtig. Bereiten Sie sich daher sowohl inhaltlich als auch organisatorisch optimal
vor. Vielleicht können Sie Ihrem Gegenüber
ja nachweisen, dass ähnliche Ideen schon einmal umgesetzt werden
sollten und die Umsetzung gescheitert ist. Klären Sie deshalb vor der
Verhandlung auch folgende Fragen:
- Welche Informationen besitzen Sie in Bezug auf den Verhandlungsgegenstand?
- Woher können Sie zusätzliche Informationen erhalten?
- Wer hat sich schon einmal mit dem Verhandlungsgegenstand beschäftigt?
- Können Sie von der entsprechenden Person weitere Informationen bekommen?
- Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit Ihrem Verhandlungspartner gemacht?
- Mit welchen Zielen begibt sich Ihr Gegenüber in die Verhandlung?
- Wo könnte Ihr Kontrahent zu Kompromissen bereit sein, wo nicht?
- Welche Argumente wird die Gegenseite vorbringen und wie wollen Sie auf diese reagieren?
Der Chefletter-Praxistipp: Machen Sie sich auch Notizen zu den möglichen Argumenten Ihres Verhandlungspartners und Ihren eventuellen Reaktionen. Damit können Sie „bösen Überraschungen“ während der Verhandlung vorbeugen.
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Klären Sie Ihren eigenen Standpunkt
 Notieren Sie sich alle Argumente für Ihre Verhandlungsposition und
gewichten Sie diese. Denken Sie dabei auch an die Begründungen für
Ihre Argumente. Erstellen Sie dann aus Ihren Zielen, Ihren Argumenten
und den Begründungen eine klare Argumentationslinie. Ihre
schlagkräftigsten Argumente sollten dabei am Anfang und am Ende Ihrer
Argumentationslinie stehen. Dabei helfen Ihnen diese Fragen:
- Was wollen Sie erreichen?
- Welche Interessen verfolgen Sie?
- In welchen Punkten können Sie Kompromisse eingehen?
- Was wollen Sie in jedem Fall vermeiden?
Der Chefletter-Praxistipp: Machen Sie sich eine Checkliste. Wenn Sie ganz sichergehen wollen, können Sie sich auch eine Checkliste für Ihre Argumente machen. Notieren Sie in dieser Checkliste neben den Argumenten auch die Begründungen. Sie können dann in der Verhandlung mit der erstellten Checkliste prüfen, ob Sie alle wichtigen Argumente vorgetragen und mit den passenden Begründungen untermauert haben.
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