Ausgabe vom Donnerstag, 27. Mai 2010



Helfen Sie Ihrem Gedächtnis auf die Sprünge

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir werden immer dümmer. Das behauptete nicht nur der Publizist Wolf Schneider kürzlich bei Anne Will, sondern das sagen auch Leute, die sich damit auskennen. So hat der Gedächtnistrainer Roland Geisselhart festgestellt, dass wir unser Gedächnis längst nicht mehr so zu belasten brauchen wie unsere Altvorderen: "Weil Helferlein vom Taschenrechner übers Handy (Stichwort Telefonnummern) bis zum Onlinelexikon dem Kopf die Arbeit abnehmen, ist das Hirn oft ganz schön untrainiert", hat Geisselhart beobachtet.

Leider leiden darunter auch Gedächtnisfunktionen, die wir noch nicht an eine Maschine delegieren können, z. B. das Erinnern an Namen und Gesichter.

Zum Glück lesen Sie den Chefletter. In meiner heutigen Ausgabe zeige ich Ihnen, wie Sie Ihrem Gedächtnis auf die Sprünge helfen.

Ihr
Dr. Marc-Wilhelm Kohfink



Bauen Sie sich Eselsbrücken

Dinge wie Vokabeln, Fachbegriffe, abstrakte Modelle oder aber auch eine ganze Reihe von Personen- oder Ortsnamen haben eines gemeinsam: Sie sind schwer zu lernen.

Was können Sie tun? Nun, Sie können Eigenschaften Ihres Gehirns nutzen, die wir tagtäglich erleben: Bilder und konkrete Zusammenhänge lassen sich gut merken, Abstraktes oder Unanschauliches hingegen schlecht. Oft erinnert man sich noch an das Gesicht eines Menschen und an bestimmte Erlebnisse mit ihm, weiß aber seinen Namen nicht mehr. Also müssen wir uns Merkhilfen schaffen, d. h. Abstraktes mit Konkretem verbinden. Wie man dabei am besten vorgeht, wissen Sie eigentlich schon. Es geht nämlich nur darum, dafür zu sorgen, dass der Lernstoff richtig aufgenommen und im Gedächtnis verankert wird:

  • Konzentrieren Sie sich einige Sekunden auf den Begriff oder den Zusammenhang, den Sie sich merken wollen. Vorteil: die Aufnahme ins Gedächtnis fällt leichter Suchen Sie sich ein passendes Bild. Der abstrakte, erlebnisferne Inhalt wird mit einem anschaulichen, personennahen Bild verknüpft.
  • Verknüpfen Sie dieses Bild mit einer komischen, absurden oder lustigen Vorstellung.
Beispiele für diese Methode kennen Sie noch aus der Schule wie z. B. den Merkspruch für die Planeten unseres Sonnensystems. Merkur – Venus – Erde – Mars – Jupiter – Saturn –Uranus – Neptun – Pluto. Die Merkhilfe hierzu lautet: Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten.



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Merken Sie sich Namen über visuelle Verknüpfungen

Beim Lernen von Namen können Sie gut eine Verbindung schaffen zwischen dem Gesicht und dem Namen. Suchen Sie einfach nach Merkmalen des Gesichts, die einen Bezug zum Namen schaffen. Das geht bei vielen Namen recht einfach. Denn sie sind ursprünglich Berufsbezeichnungen wie Meier, Müller, Schulz gewesen oder beziehen sich tatsächlich auf auffällige Eigenschaften eines Urahns, wie bei den Namen Klein oder Lang.

Dann bilden Sie die passende Assoziation: Jemand heißt Lang und ist tatsächlich sehr groß und sehr hager. Problemlos ist eine solche Verbindung, wenn auch die Namen einfach sind. Aber was macht man bei Namen wie Anton, Hitzacker oder Kreydeck? Hier müssen Sie sich etwas mehr Mühe geben und etwas mehr suchen.

  • Jemand heißt Anton und hat genau solche Stoppelhaare wie Ihr Onkel, der mit Vornamen Anton heißt.
  • Jemand heißt Hitzacker und hat ein leicht rötliches Gesicht, als wenn er zu lange in der Sonne (= Hitze) auf dem Acker gelegen hat.
  • Jemand heißt Kreydeck und hat weiße Haare. Dann können Sie vielleicht die Brücke bauen von weiß zu Kreide. Stellen Sie sich vor, wie das Gesicht von Herrn Kreydeck ganz mit Kreide bedeckt ist.

Sie sehen, man braucht manchmal etwas Fantasie, aber letztlich lässt sich jeder Name merken.



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Das Geheimnis der Eselsbrücke liegt in der Assoziation. Unser Gehirn behält Dinge am besten, wenn wir sie mit bekannten Dingen verknüpfen und Bilder dabei im Kopf haben. Außerdem ist Ihnen vielleicht auch schon einmal aufgefallen: Sie behalten etwas besonders gut, wenn auch Ihre Gefühle angesprochen sind. Bewegende Momente vergessen wir nicht.

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