
Ausgabe vom Montag, 28. Juni 2010
Genial verhandeln oder überrumpeln?
 Liebe Leserin, lieber Leser, 2006 erhöhte die Bundesregierung im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft eilig die Mehrwertsteuer. Dieses Jahr verkündete sie ihr Sparpaket in Zeiten
aufflammender WM-Vorfreude. Um eine breite Diskussion zu vermeiden, wird die Ablenkung durch die Fußball-WM genutzt, um Unliebsames möglichst geräuscharm durchzusetzen. In meinem heutigen Chefletter erfahren Sie insgesamt 5 fiese Tricks, mit denen Verhandler versuchen, die Gegenseite zu überrumpeln und sich so einen Vorteil zu verschaffen.
Ihr
Dr. Marc-Wilhelm Kohfink
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Lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen
 Kanzler Schröder hat noch "Basta" gesagt, wenn er eine Diskussion vermeiden und aufs Tempo drücken wollte. Angela Merkel spricht von "alternativlos", was auf das Gleiche hinausläuft, denn immer wird ein Entscheidungsdruck aufgebaut. Ähnlich funktionieren: - Extrem kurzfristige Einladungen. Dadurch soll der anderen Seite die Möglichkeit genommen werden, sich inhaltlich auf die Verhandlung vorzubereiten.
- Sehr kurze Dauer der Verhandlung. Damit wird Zeitdruck aufgebaut. Für eine Seite bleibt unter Umständen nicht genügend Zeit, ihre Argumente ausreichend darzustellen.
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 Das Geheimnis der Eselsbrücke liegt in der Assoziation. Unser Gehirn behält Dinge am besten, wenn wir sie mit bekannten Dingen verknüpfen und Bilder dabei im Kopf haben. Außerdem ist Ihnen vielleicht auch schon einmal aufgefallen: Sie behalten etwas besonders gut, wenn auch Ihre Gefühle angesprochen sind. Bewegende Momente vergessen wir nicht.
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Achten Sie darauf, wie Sie platziert werden
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Die andere Verhandlungspartei lädt Sie in ihr eigenes Büro ein. Hier sorgt allein schon
der Heimvorteil für eine bessere Position in der Verhandlung. Viele
Menschen sind auf „fremdem Territorium“ zuerst zurückhaltend und vorsichtig.
- Die Verhandlung findet direkt nach der Mittagspause statt. Viele Menschen haben nach dem Mittagessen ihren Tiefpunkt. Das kann ein Verhandlungspartner gezielt nutzen, wenn er selbst um diese Uhrzeit fit ist.
- Die eine Partei sitzt vor der Fensterfront, die andere Partei vor der Wand. Für die Partei, die vor der Wand sitzt, ist es sehr viel schwieriger, das Mienenspiel des Gegenübers zu erkennen, da sie ins Licht sehen muss. Die Partei, die vor der Fensterfront sitzt, kann dagegen die Körpersprache der anderen sehr gut beobachten und analysieren.
Das können Sie tun: Um sich solchen fiesen Tricks nicht auszusetzen, empfehle ich Ihnen, wichtige Verhandlungen selbst zu organisieren, auch wenn dies für Sie einen zusätzlichen Zeitaufwand bedeutet. Selbstverständlich sollten Sie selbst dabei auf die Anwendung der genannten Manipulationsmaßnahmen verzichten.
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