
Ausgabe vom Mittwoch, 30. Juni 2010
Blick über den Tellerrand
 Liebe Leserin, lieber Leser,
in der Regel bringt es viele neue Einsichten, über den eigenen Tellerrand zu schauen und einfach mal zu gucken, wie andere Branchen Herausforderungen meistern. So kehren viele Mitarbeiter der Branche enttäuscht und demotiviert den Rücken. Es herrscht ein Kommen und Gehen –
nicht nur bei den Gästen, sondern auch beim Personal.
In meinem heutigen Chefletter lesen Sie, wie es einigen Hotelliers und Gastronomen gelingt, Ihre Leute so zu motivieren, dass sie mit Freunde im "Team der Gastlichkeit" bleiben und dies auch auf die Gäste ausstrahlen.
Ihr
Dr. Marc-Wilhelm Kohfink
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Gut: Motivieren Sie mit betrieblichen Sozialleistungen
 Die Leibniz-Klause, ein Traditionsrestaurant im Berliner Bezirk
Charlottenburg, kennt keine hohe Personalfluktuation. Aus gutem Grund:
„Unsere Mitarbeiter sind uns sehr verbunden“, sagt Chefin Helga Knoche.
„Eine Servicekraft arbeitet im 37. Jahr bei uns, eine andere im 26., und
unser Küchenchef kocht bereits seit 20 Jahren für unsere Gäste.“
Knoches Rezept: „Ich bin streng, hart und herzlich, dabei immer auch
gerecht.“ Gute Konditionen erhöhen die Verbundenheit der Beschäftigten
mit der Leibnizklause. Dazu gehören eine eigene Betriebsrente, ein
sauberes Arbeitsumfeld sowie die hohe Qualität des Essens und das
relativ hohe Trinkgeld. Meine Beurteilung: Knoche setzt primär auf ökonomische Vorteile. Ein Wechsel soll den Mitarbeitern aufgrund tatsächlicher oder subjektiv wahrgenommener Wechselkosten als wirtschaftlich unvorteilhaft erscheinen und sie so zum Bleiben bewegen. Ganz unabhängig von dem Beispiel gilt: Ökonomischer Zwang ist aber immer ein fragwürdiges Motivationsmittel. Wer will schon Mitarbeiter, die im vertrauten Kreise sagen: "Ich arbeite da nur, weil die Kohle stimmt."
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Besser: Motivieren Sie über Mitarbeiterzufriedenheit
 Das Marriott Berlin am Potsdamer Platz geht einen andern Weg. „Wir kümmern uns um unsere
Mitarbeiter wie um unsere Gäste“, erklärt Hotelchef Thomas Guss. Loyalität werde
groß geschrieben. So stellt Marriott den Beschäftigten ein Restaurant zur Verfügung,
das sich von einer normalen Kantine abhebt. Regelmäßige
Mitarbeitergespräche gehören zum Personalmanagement genauso wie
spezielle Angebote, etwa Sprachkurse im Haus. Und: „Wir starten ein bei
Marriott bisher einmaliges Projekt: die Gründung eines betriebseigenen
Kindergartens“, kündigt Guss an. Dadurch könne das Personal sorgenfrei
arbeiten, und das Hotel übernimmt die Kinderbetreuung. Meine Beurteilung: Das Marriott bietet zwar auch betriebliche Sozialleistungen, doch diese sollen keinen ökonomischen Druck ausüben sondern vor allem der Mitarbeiterzufriedenheit dienen. Das Marriott betrachtet seine Mitarbeiter mit den gleichen Augen wie die Gäste. Es fragt sich: "Wie kann ich beide Gruppen so glücklich machen, dass sie gerne bei uns im Haus sind?". Das ist ein ganz anderer Ansatz als der ökonomische. Und Thomas Guss weiß sicher auch: Wo die Mitarbeiter sich gut aufgehoben fühlen, da strahlen sie dies auch auf die Gäste aus.
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