„Der Staat ist männlich“, so empfanden viele Männer und
Frauen im 19. Jh. Klar, denn Leistungen wie Waffendienst und Steuerpflicht, die
der Staat forderte, konnten anscheinend nur Männer erfüllen. Die Folge: Frauen
hatten keine Pflichten, also bekamen sie auch keine Rechte. Sie durften weder
wählen noch Mitglied einer Partei sein noch politische Arbeit machen – die
Öffentlichkeit war dem Mann zugedacht.
Diese Benachteiligung ließen sich einige Frauen nicht
gefallen. In der 1. Hälfte des 19. Jh. forderte Louise Otto-Peters (1819–1895)
als 1. deutsche Frau das Recht auf politische Mitwirkung: Sie gründete 1865 den
„Allgemeinen Deutschen Frauenverein“ für bessere Mädchenbildung und gleiche
Chancen im Beruf. Als Gruppe organisierten sich vor allem arbeitende Frauen
(Proletarierinnen) in einer Frauenbewegung, um gegen politische Benachteiligung
vorzugehen. Sie traf ihre Rechtlosigkeit mehr als bürgerliche Frauen, deren
Welt Haushalt und Familie war und die nicht für Billiglöhne arbeiten mussten.
Nach der Jahrhundertwende rumorte es schließlich in ganz
Europa und Amerika. In England kämpften Frauenrechtlerinnen für das women´s
suffrage, das Wahlrecht der Frau (suffrage = (Wahl-)Stimme, Wahl- oder
Stimmrecht). Eine Londoner Zeitung erfand für sie den Spitznamen
„Suffragetten“. Die englische Verkleinerungssilbe sollte sie lächerlich machen.
Nachdem friedlicher Protest nichts nutzte, setzten die
Sufragetten ab 1910 militante Mittel ein: Sie warfen Steine in Fensterscheiben
von Banken und Ministerien, zündeten Briefkästen und Golfplätze an und legten
sogar Bomben. Auf der 2. Internationalen Frauenkonferenz in Kopenhagen
beschlossen Teilnehmerinnen aus der ganzen Welt, alljährlich einen Frauentag
mit internationalem Charakter zu veranstalten. Seither finden am 8. März
weltweit Veranstaltungen statt, die auf die Rechte der Frauen hinweisen.
Welches Land führte wann das Frauenwahlrecht ein?
1869 Wyoming
(USA)
1893 Neuseeland
1902 Australien
1906 Finnland
1913 Norwegen
1915 Dänemark,
Island
1917 Kanada,
Niederlande, Sowjetunion
1918 Deutschland,
England, Irland, Luxemburg, USA
1919 Österreich,
Polen, Schweden, Tschechoslowakei
1931 Ceylon
(Sri Lanka), Spanien
1934 Kuba,
Türkei
1935 Indien
1937 Philippinen
1944 Frankreich
1945 Italien
1946 Albanien,
Japan, Jugoslawien, Rumänien
1948 Belgien,
Israel
1952 Griechenland
1971 Schweiz
1984 Liechtenstein
2005 Kuwait