19. Januar 2010

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute vor 91 Jahren war ein denkwürdiger Tag: Bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung am 19. Januar 1919 durften 17 Millionen Frauen erstmals ihre Stimme abgeben. Und mehr als 80 % von ihnen gingen damals tatsächlich zur Wahlurne. Ein Wort, das wir schon in der Schule im Zusammenhang mit dem Frauenwahlrecht gehört haben, ist „Suffragetten“ – was bedeutet es und wie kam es dazu? Lesen Sie unten die Antwort darauf!

 

Ihre

Dunja Herrmann
Redakteurin Täglich durchblicken


 
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   Wer waren noch mal die Suffragetten?
„Der Staat ist männlich“, so empfanden viele Männer und Frauen im 19. Jh. Klar, denn Leistungen wie Waffendienst und Steuerpflicht, die der Staat forderte, konnten anscheinend nur Männer erfüllen. Die Folge: Frauen hatten keine Pflichten, also bekamen sie auch keine Rechte. Sie durften weder wählen noch Mitglied einer Partei sein noch politische Arbeit machen – die Öffentlichkeit war dem Mann zugedacht.

Diese Benachteiligung ließen sich einige Frauen nicht gefallen. In der 1. Hälfte des 19. Jh. forderte Louise Otto-Peters (1819–1895) als 1. deutsche Frau das Recht auf politische Mitwirkung: Sie gründete 1865 den „Allgemeinen Deutschen Frauenverein“ für bessere Mädchenbildung und gleiche Chancen im Beruf. Als Gruppe organisierten sich vor allem arbeitende Frauen (Proletarierinnen) in einer Frauenbewegung, um gegen politische Benachteiligung vorzugehen. Sie traf ihre Rechtlosigkeit mehr als bürgerliche Frauen, deren Welt Haushalt und Familie war und die nicht für Billiglöhne arbeiten mussten.

Nach der Jahrhundertwende rumorte es schließlich in ganz Europa und Amerika. In England kämpften Frauenrechtlerinnen für das women´s suffrage, das Wahlrecht der Frau (suffrage = (Wahl-)Stimme, Wahl- oder Stimmrecht). Eine Londoner Zeitung erfand für sie den Spitznamen „Suffragetten“. Die englische Verkleinerungssilbe sollte sie lächerlich machen.

Nachdem friedlicher Protest nichts nutzte, setzten die Sufragetten ab 1910 militante Mittel ein: Sie warfen Steine in Fensterscheiben von Banken und Ministerien, zündeten Briefkästen und Golfplätze an und legten sogar Bomben. Auf der 2. Internationalen Frauenkonferenz in Kopenhagen beschlossen Teilnehmerinnen aus der ganzen Welt, alljährlich einen Frauentag mit internationalem Charakter zu veranstalten. Seither finden am 8. März weltweit Veranstaltungen statt, die auf die Rechte der Frauen hinweisen.

Welches Land führte wann das Frauenwahlrecht ein?
1869            Wyoming (USA)
1893             Neuseeland
1902             Australien
1906             Finnland
1913             Norwegen
1915             Dänemark, Island
1917             Kanada, Niederlande, Sowjetunion
1918             Deutschland, England, Irland, Luxemburg, USA
1919             Österreich, Polen, Schweden, Tschechoslowakei
1931             Ceylon (Sri Lanka), Spanien
1934             Kuba, Türkei
1935             Indien
1937             Philippinen
1944             Frankreich
1945             Italien
1946             Albanien, Japan, Jugoslawien, Rumänien
1948             Belgien, Israel
1952             Griechenland
1971             Schweiz
1984             Liechtenstein
2005             Kuwait


 
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