Barfuß erschien König Heinrich IV. am 25. Januar 1077 vor
den Burgmauern im toskanischen Canossa. Er bat damit den Papst nach einem
langen Streit darum, wieder in die Kirche zurückkehren zu dürfen.
Der Auslöser: Im so genannten „Investiturstreit“ stritten
sich Päpste und Könige unter anderem um das Recht auf Investitur (= die
Amtseinsetzung von Bischöfen und Äbten). Der Kauf und Verkauf von Kirchenämtern war ein gutes
Geschäft: Wer Geld besaß, der hatte gute Chancen auf ein Amt. Ein Höhepunkt
dieses Machtkampfes war die Auseinandersetzung 1075 zwischen dem deutschen
König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. Der König
hatte den Papst provoziert, indem er einen mit dem Bann belegten Erzbischof
eingesetzt hatte und später auch weitere Bischöfe einberief. Außerdem hatte
Heinrich IV. dem Papst in einem Brief befohlen, sein Amt niederzulegen. Gregor
VII. antwortete prompt auf diese unerhörte Forderung: Er verbot Heinrich IV.
die Herrschaft über das römisch-deutsche Reich und belegte ihn mit dem
Kirchenbann. Diesem folgte die Exkommunikation – seine Ausgrenzung aus der
Kirchengemeinschaft.
Heinrich IV. reagierte sofort. Er nahm seine Forderung, den
Papst abzusetzen, zurück. Und er erklärte sich bereit, sich dem päpstlichen
Urteil zu unterwerfen. Er ging im Januar 1077 mit seiner Frau und seinem
kleinen Sohn den mühsamen Weg von Speyer über die verschneiten Alpen Richtung
Papst. Der war gerade auf dem Weg nach Augsburg. Doch nun erfuhr er von Heinrichs
Eintreffen in Italien. Aus Angst vor einem Angriff des Königs – der Papst
wusste schließlich nichts über dessen Absichten – floh das kirchliche Oberhaupt
auf die Burg von Canossa. Dort bat also Heinrich IV. vom 25. bis zum 28. Januar
hungernd im Bußgewand um Vergebung, bis der Papst ihn mit seinem Segen erlöste.
Übrigens: Der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck prägte 1872 in einer Rede vor dem Reichstag den Begriff „Gang nach
Canossa“ als Ausdruck für einen demutsvollen Bittgang. Zu einem Problem mit der
katholischen Kirche, die den deutschen Gesandten im Vatikan ablehnte, erklärte
er vor den Abgeordneten: „Seien Sie außer Sorge, nach Canossa gehen wir nicht –
weder körperlich noch geistig.“