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Liebe Leserin, lieber Leser, in der so genannten „5. Jahreszeit“ herrscht vielerorts
Ausnahmezustand, so auch wieder morgen zum Weiberfasching. Ob Sie beim Karneval
aktiv mit dabei sind oder nicht, spannend ist: Warum feiern die Menschen so
ausgiebig? Lesen Sie unten weiter, warum das Feiern sogar kirchlich erlaubt
ist.
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Dunja Herrmann
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| Warum gibt es den Karneval? |
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| Auf Hochdeutsch heißt die närrische Zeit Fastnacht, Karneval
oder Fasching, abgesehen von den vielen regionalen Bezeichnungen. Alle Begriffe
beziehen sich auf die Fastenzeit ab Aschermittwoch. So war die „Fastnacht“
ursprünglich der Abend vor dem Fastenbeginn. Im Laufe der Zeit dehnte sich das
Feiern auf mehrere Tage als nur den einen vor Aschermittwoch aus.
Was haben zwei so gegensätzliche Ereignisse miteinander zu
tun – das eine steht für Laster, das andere für Enthaltsamkeit? Der Ursprung
des Karnevals ist vermutlich in der Antike zu finden: Zwischen der
Wintersonnenwende und der Tag-und-Nacht-Gleiche feierten die Menschen im
Mittelmeerraum heidnische Feste und Kultrituale zu Ehren der Götter, um den
Winter zu vertreiben und die fruchtbaren Tage des Frühlings zu begrüßen. Möglicherweise
versuchte die Kirche mit der Einführung des Christentums, diese Bräuche
aufzufangen und mit kirchlichen Festtagen zu überlagern. Fest steht, dass
Fasching und Fasten trotz ihrer Gegensätzlichkeit von der Kirche toleriert
wurden. Manche, die sich mit dem Thema beschäftigen, sind überzeugt, beides sei
eine Erfindung der Kirche.
Kirchenvertreter konnten ihre Gläubigen lenken, solange
Fasching eine christliche Tradition war. Die Feste vor dem Fasten
symbolisierten sündiges Verhalten und das Abwenden von Gott. Aber: Die
Fastenzeit konnte das wiedergutmachen. Päpste im Mittelalter weiteten die
Festlichkeiten immer mehr aus. Um 1700 erlaubten sie schließlich sogar den
Frauen, maskiert am Karneval teilzunehmen. So konnte die Kirche an
Aschermittwoch ein striktes Einhalten der Fastenzeit einfordern. Fasten und
Fasching standen also für zwei unvereinbare Lebenswelten: den teuflisch
gesinnten Weltstaat und den Gottesstaat.
Mit diesem Denkmodell war es möglich, dass Fasching über die
vergangenen Jahrhunderte zur festen Größe wurde. Nur durch die Reformation im
16. Jahrhundert gab es einen Dämpfer: Die Protestanten schufen für sich die
Fastenzeit mitsamt Karneval ab. Deshalb sind Karnevalshochburgen eher
katholische Städte und Gemeinden.
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