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Liebe Leserin, lieber Leser, am heutigen Schwerdonnerstag geht es vielerorts närrisch zu
– denn jetzt findet der Karneval endlich draußen auf der Straße statt. So sind
mancherorts ganze Innenstädte voll von Menschen in Feierlaune. Manche sagen
dazu Weiberfastnacht oder Altweiberfasching, auch schmutziger Donnerstag. Was
hat es mit diesen Ausdrücken auf sich? Wie sind sie entstanden?
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Ihre
Dunja Herrmann
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| Warum ist heute Weiberfastnacht? |
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| Es
ist so, wie es sich anhört: Der Donnerstag vor Aschermittwoch wandelte sich im
Laufe der Zeit zu einem Weibertag – zumindest in den rheinischen
Karnevalshochburgen. Denn die Weiber hatten früher beim Karneval gar nichts zu
feiern, dafür ihre Männer um so mehr. Also fanden sich hier und dort am Schwerdonnerstag grüppchenweise Frauen zusammen, um auch im
Karneval ihren Spaß zu haben. Der Tag war sehr geeignet, denn donnerstags kamen
ohnehin viele Frauen zum Markt oder ins Waschhaus. So waren sie unter sich,
konnten mit viel Elan über alles schwätzen, was sie so bewegte. Und irgendwann
machten sie diesen Tag zu ihrem Tag, ergriffen das Regiment und erstürmten
Rathäuser.
Eine
besondere Bedeutung erlangte die Weiberfastnacht in Bonn-Beuel, wo sie auch
heute noch die Hauptattraktion ist. Im Jahr 1824, ein Jahr nachdem der
Straßenkarneval nach den napoleonischen Kriegen wiederbelebt wurde, gründeten
die Beueler Wäscherinnen ein Damenkomitee, um es den Männern mal so richtig zu
zeigen. Die waren an diesem Tag, dem Donnerstag vor Aschermittwoch, unterwegs
nach Köln, um dort saubere Wäsche abzuliefern und Schmutzwäsche abzuholen –
denn die Beueler Wäschereien wuschen unter anderem auch für Köln. So kam
es dann durch die Wäschefrauen zur „ersten Schlacht gegen Griesgram und
Muckertum“ (www.waescheprinzessin.de).
Im Südwesten Deutschlands, bei
der schwäbisch-alemannischen Fastnacht, heißt der heutige Tag schmutziger
Donnerstag, abgeleitet von „Schmotz“, dem alemannischen Wort für Fett oder
Schmalz. An diesem Tag wurde das letzte Mal vor der Fastenzeit geschlachtet und
in Schweineschmalz gebacken (z. B. Faschingskrapfen), denn weder der Freitag,
noch der Samstag oder die beiden Tage vor Aschermittwoch waren religiös und
organisatorisch bedingt dafür geeignet. So bekam dieser letztmögliche Schlacht-
und Backtag den Namen schmotziger Donnerstag.
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ISSN 1863-5105
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