17. Februar 2010

Liebe Leserin, lieber Leser,

Karneval ist vorbei, die Fastenzeit beginnt und Deutschlands Parteien liefern sich einen Schlagabtausch. Wieso passiert das am selben Tag? Zufall, wie Sie in dieser Ausgabe erfahren können! 

Ihre

Dunja Herrmann
Redakteurin Täglich durchblicken

PS: Erfahren Sie, wie Sie immer gut mitreden können ...


 
   Wie kam es zum politischen Aschermittwoch?
Der politische Aschermittwoch geht auf einen Viehmarkt zurück – im bayrischen Vilshofen vor knapp 500 Jahren. Bauern handelten dort nicht nur mit Vieh, sondern tauschten sich auch über Alltagsthemen aus. Später, im 19. Jahrhundert, ging es in ihren Gesprächen häufig um Politik.

So kam es, dass der Bayrische Bauernbund 1919 am Tag des Viehmarktes eine große Kundgebung veranstaltete. Da sie genau auf den religiösen Aschermittwoch fiel, gab dieser dem Ereignis seinen Namen. Nach einer Pause im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) erwachte vor 62 Jahren die Tradition der Kundgebungen zu neuem Leben. Josef Baumgartner, Mitglied der Bayernpartei, griff bei einer Rede am Aschermittwoch 1948 den Parteigegner CSU an. Das wiederholte er in den Folgejahren. Offenbar lag ihm viel daran, mit der Partei, der er früher angehörte, abzurechnen.

Das forderte die CSU heraus, sich ebenfalls am Aschermittwoch zu versammeln und sich mit Beleidigungen von den politischen Rivalen abzugrenzen. Aschermittwochsreden der CSU wurden nach der ersten Veranstaltung 1953 wahre Publikumsmagnete – wegen der sprachlichen Begabung und Treffsicherheit ihres Politikers Franz Josef Strauß.

Andere große Parteien und Verbände folgten ab Mitte der 1970er-Jahre dem CSU-Beispiel. So erlangte der politische Aschermittwoch schließlich auch außerhalb der bayrischen Landesgrenzen Beliebtheit. 2005 gab es den ersten politischen Aschermittwoch im Berliner Bundestag: Bekannte Kabarettisten ließen sich schonungslos über die Lage der Nation aus.


 
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