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Liebe Leserin, lieber Leser,
nachdem vor knapp einem Jahr das historische Kölner
Stadtarchiv einstürzte, kocht das Thema „U-Bahn-Bau“ in Köln zurzeit wieder
hoch. Von Pfusch ist die Rede, Fehler sollen vertuscht worden sein, die
möglicherweise auch zur Katastrophe vor einem Jahr geführt haben. Allein die
Vorstellung, dass Verkehrswege unter der Erde entstehen, lässt mich
unvermittelt daran denken, welcher Aufwand dahinter steckt und welch große
Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden müssen. Wie kamen die Menschen überhaupt
dazu, sich dieser Herausforderung zu stellen? Dieser Frage will ich heute
einmal nachgehen.
Viel Freude beim Lesen!
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Ihre
Dunja Herrmann
Redakteurin Täglich durchblicken |
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| Wenn die Erde bebt ... |
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| Warum entstanden Bahnen unter der Erde? |
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In der 2. Hälfte des 19. Jh. gerieten in Großstädten Massenverkehrsmittel
(z. B. Pferdeomnibusse) an ihre Leistungsgrenzen, was Schnelligkeit und die
zurücklegbare Wegstrecke betraf. Hinzu kam, dass sich auf der Straße
mittlerweile einfach zu viele Verkehrsteilnehmer tummelten, die sich
gegenseitig behinderten. Deshalb planten die Menschen Verkehrsmittel, die
unabhängig von den Hauptstraßen fahren konnten – auf eigenen Strecken. Zunächst
setzten sie auf dampfbetriebene Eisenbahnen auf innerstädtischen Gleisen.
London hatte eine Entlastung der Verkehrsströme besonders nötig, da es täglich
wuchs. Es war im 19. Jh. die größte Stadt der Welt und ein bedeutendes
Industrie-, Handels- und Banken-Zentrum. Im Jahr 1860 startete die Londonder
Bahngesellschaft Metropolitan Railway (= hauptstädtische Eisenbahn) den Bau der
1. Strecke – unterirdisch geführt. Das war eine Weltpremiere!
Wie funktionierte das mit den Tunneln? In London zog die neue Bahn immer mehr Fahrgäste an, sodass
sich das Netz erweiterte. Zunächst bauten Ingenieure dafür so genannte offene
Tunnel: Sie gruben eine Strecke aus und deckten sie danach wieder ab. Auch
unter kleineren Hindernissen, wie Häusern, konnte die Bahn durchfahren. Als
dann jedoch größere Herausforderungen anstanden, z. B. unter der Themse
hindurchzukommen, mussten tiefere,
stabile Tunnel her. Auch das lösten findige Ingenieure, indem sie den Bau
geschlossener Tunnel perfektionierten. Die Bahnen lagen nun viel tiefer und die
unterirdischen Bauarbeiten beeinträchtigten den oberirdischen Verkehr kaum.
Allerdings kamen dampfbetriebene Loks wegen der Abgase hier nicht mehr durch.
Zum Glück hatte der deutsche Ingenieur Werner von Siemens im Jahr 1866 die
Dynamomaschine erfunden, die den Einsatz elektrischer Bahnen ermöglichte – die
zogen sich den Strom über den Schleifkontakt aus den Gleisen.
Warum war die U-Bahn so erfolgreich? U-Bahn-Trassen entstanden auch in anderen Städten nach
Londoner Vorbild. Und sie zogen
eines nach sich: Menschen. Überall dort, wo Bahnstrecken verliefen, siedelten
sich Leute an. Auch Kleinstädte und Dörfer am Rande von Millionenstädten waren
plötzlich erreichbar. Das kehrte das ganze Besiedlungssystem um: In den Städten
wohnten immer weniger Menschen. Dort konzentrierte sich stattdessen Handel,
Dienstleistung und Verwaltung. Verkehrsströme gingen in das Zentrum hinein und
wieder heraus – sie zogen Massen von Menschen mit. U-Bahnen erwiesen sich
hierfür als besonders leistungsfähig und flächensparend.
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