10. März 2010

Liebe Leserin, lieber Leser,

am 10. März 1959 begann der große Aufstand des tibetischen Volkes gegen die chinesische Fremdherrschaft. Deshalb finden heute in 24 deutschen Städten Aktionen statt, veranstaltet von der Tibet Initiative Deutschland e.V. und dem Verein der Tibeter in Deutschland e.V. Damit weisen die Tibeter und Tibet-Unterstützer auf die dramatische Menschenrechtssituation in Tibet hin. Die größten Veranstaltungen wird es vor den chinesischen Vertretungen in Berlin, Frankfurt, Hamburg und München geben. Es ist ein langer, erbitterter Streit und nur wenige wissen, worum es genau geht. Lesen Sie deshalb hier mehr über die Hintergründe des China-Tibet-Konflikts.

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit.

Ihre

Dunja Herrmann
Redakteurin Täglich durchblicken

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   Wo liegen die Wurzeln des China-Tibet-Konflikts?

Tibet ist ein Hochland im Himalaya-Gebirge und liegt auf ca. 4.500 m. Es ist die höchstgelegene Region der Erde und wird deshalb auch „Dach der Welt“ genannt. Der schwelende Konflikt zwischen China und Tibet geht auf das Jahr 1950 zurück. Damals marschiert die chinesische Armee unter Mao Tse-tung in Tibet ein. Maos Ziel: die chinesische Einheit wiederherstellen. Schließlich hatte er es geschafft, den Chinesen nach Jahrzehnten britischer und japanischer Besetzung wieder eine eigene Identität und einen eigenen Staat zu geben. Und für Mao stand fest: Tibet gehört zur Volksrepublik China.

1950er-Jahre
China greift massiv in das Leben der Tibeter ein. Peking will nicht nur das politische System, sondern auch die kulturelle Identität der Tibeter zerschlagen. Unter anderem siedelt man hunderttausende chinesischer Bauern in Tibet an, die die dortige Landwirtschaft an sich reißen. Für die Zugezogenen lässt Peking massenweise Plattenbauten errichten. Es sind Provokationen aus Beton und Stahl: Ausgerechnet einen Sendemast setzen die Chinesen auf den Berg, auf dem die Tibeter einen Heiligen verehren! Das Ziel über allem: Tibet soll so schnell wie möglich eine chinesische Provinz werden.

1959
Die Zerstörung ihrer althergebrachten Kultur führt zu Unruhen und Protesten seitens der Tibeter. 1959 wagen sie zum 1. Mal den Aufstand. Doch ihre schlecht ausgerüsteten Widerstandskämpfer haben gegen die Truppen Maos keine Chance. Ihr Oberhaupt, der Dalai Lama, flieht mit Familie und Gefolge über die verschneiten Bergpässe nach Indien. 50.000 Tibeter folgen ihm ins Exil. In Tibet reagieren die Chinesen mit der Zerstörung von Klöstern und der Vernichtung religiöser Symbole; selbst das Beten ist nun verboten.

1987
Am chinesischen Nationalfeiertag demonstrieren erneut tibetische Mönche für die Unabhängigkeit. Die Polizei schreitet gewaltsam ein, und es gibt schwere Unruhen. Die chinesischen Machthaber verhängen das Kriegsrecht über die Hauptstadt Lhasa und schlagen den Aufstand brutal nieder. Der Dalai Lama ergreift mehrfach die Initiative und unterbreitet China Friedensangebote mit großen Zugeständnissen – dafür erhält er 1989  den Friedensnobelpreis. Aber alles scheitert an der Blockadepolitik der chinesischen Machthaber.

Tibets Städte zeigen sich heute im Einheitslook: moderne, im chinesischen Stil errichtete (Reihen-)Häuser. Die Tibeter mussten ihre eigenen Häuser abreißen, um neue zu bauen – ihre traditionelle Architektur ging verloren. Vom wirtschaftlichen Fortschritt und Wohlstand profitieren vor allem chinesische Geschäftsleute. Die Tibeter sind zu einer Minderheit im eigenen Land geworden.

Die Sicht der Chinesen:
Die von Mao propagierte Einheit Chinas ist die ideologische Grundlage der Volksrepublik; die Kommunisten halten sie bis heute heilig. Deshalb empfinden sie die Unabhängigkeisbestrebungen der Tibeter als so bedrohlich, und es fällt ihnen schwer, einzulenken. Bereits im 17. Jh. schloss China das benachbarte Tibet locker an sein Kaiserreich an. Auf alten Landkarten findet sich Tibet meist als Teil Chinas dargestellt. Für die Chinesen gehört Tibet deshalb fest zum chinesischen „Mutterland“.

Die Sicht der Tibeter:
Die Tibeter meinen, dass ihr Land 1950 unabhängig gewesen sei. Für sie verstößt die chinesische Besetzung deshalb gegen internationales Recht. Tatsächlich hat Tibet 1913 seine Unabhängigkeit erklärt und sich eine eigene Flagge und Hymne gegeben. Es war die Zeit, als Großbritannien in Indien herrschte und seine Fühler bis nach Tibet ausstreckte. Aber: Diese Unabhängigkeitserklärung unter britischem Einfluss wurde nie von irgendeinem Staat anerkannt.


 
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