Tibet ist ein
Hochland im Himalaya-Gebirge und liegt auf ca. 4.500 m. Es ist die
höchstgelegene Region der Erde und wird deshalb auch „Dach der Welt“ genannt. Der
schwelende Konflikt zwischen China und Tibet geht auf das Jahr 1950 zurück.
Damals marschiert die chinesische Armee unter Mao Tse-tung in Tibet ein. Maos
Ziel: die chinesische Einheit wiederherstellen. Schließlich hatte er es
geschafft, den Chinesen nach Jahrzehnten britischer und japanischer Besetzung
wieder eine eigene Identität und einen eigenen Staat zu geben. Und für Mao stand
fest: Tibet gehört zur Volksrepublik China.
1950er-Jahre
China greift
massiv in das Leben der Tibeter ein. Peking will nicht nur das politische
System, sondern auch die kulturelle Identität der Tibeter zerschlagen. Unter
anderem siedelt man hunderttausende chinesischer Bauern in Tibet an, die die
dortige Landwirtschaft an sich reißen. Für die Zugezogenen lässt Peking
massenweise Plattenbauten errichten. Es sind Provokationen aus Beton und Stahl:
Ausgerechnet einen Sendemast setzen die Chinesen auf den Berg, auf dem die
Tibeter einen Heiligen verehren! Das Ziel über allem: Tibet soll so schnell wie
möglich eine chinesische Provinz werden.
1959
Die Zerstörung
ihrer althergebrachten Kultur führt zu Unruhen und Protesten seitens der
Tibeter. 1959 wagen sie zum 1. Mal den Aufstand. Doch ihre schlecht
ausgerüsteten Widerstandskämpfer haben gegen die Truppen Maos keine Chance. Ihr
Oberhaupt, der Dalai Lama, flieht mit Familie und Gefolge über die verschneiten
Bergpässe nach Indien. 50.000 Tibeter folgen ihm ins Exil. In Tibet reagieren
die Chinesen mit der Zerstörung von Klöstern und der Vernichtung religiöser
Symbole; selbst das Beten ist nun verboten.
1987
Am chinesischen
Nationalfeiertag demonstrieren erneut tibetische Mönche für die Unabhängigkeit.
Die Polizei schreitet gewaltsam ein, und es gibt schwere Unruhen. Die
chinesischen Machthaber verhängen das Kriegsrecht über die Hauptstadt Lhasa und
schlagen den Aufstand brutal nieder. Der Dalai Lama ergreift mehrfach die
Initiative und unterbreitet China Friedensangebote mit großen Zugeständnissen –
dafür erhält er 1989 den Friedensnobelpreis. Aber alles scheitert an der
Blockadepolitik der chinesischen Machthaber.
Tibets Städte
zeigen sich heute im Einheitslook: moderne, im chinesischen Stil errichtete
(Reihen-)Häuser. Die Tibeter mussten ihre eigenen Häuser abreißen, um neue zu
bauen – ihre traditionelle Architektur ging verloren. Vom wirtschaftlichen
Fortschritt und Wohlstand profitieren vor allem chinesische Geschäftsleute.
Die Tibeter sind zu einer Minderheit im eigenen Land geworden.
Die Sicht der Chinesen:
Die von
Mao propagierte Einheit Chinas ist die ideologische Grundlage der
Volksrepublik; die Kommunisten halten sie bis heute heilig. Deshalb
empfinden sie die Unabhängigkeisbestrebungen der Tibeter als so bedrohlich, und
es fällt ihnen schwer, einzulenken. Bereits
im 17. Jh. schloss China das benachbarte Tibet locker an sein Kaiserreich an.
Auf alten Landkarten findet sich Tibet meist als Teil Chinas dargestellt. Für
die Chinesen gehört Tibet deshalb fest zum chinesischen „Mutterland“.
Die Sicht der Tibeter:
Die
Tibeter meinen, dass ihr Land 1950 unabhängig gewesen sei. Für sie verstößt die
chinesische Besetzung deshalb gegen internationales Recht. Tatsächlich
hat Tibet 1913 seine Unabhängigkeit erklärt und sich eine eigene Flagge und
Hymne gegeben. Es war die Zeit, als Großbritannien in Indien herrschte und
seine Fühler bis nach Tibet ausstreckte. Aber:
Diese Unabhängigkeitserklärung unter britischem Einfluss wurde nie von
irgendeinem Staat anerkannt.