12. März 2010

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute beginnen in Vancouver und Whistler die X. Winter-Paralympics, an denen rund 600 Sportler mit Behinderung aus 64 Nationen teilnehmen. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen können Sie die Wettkämpfe täglich mitverfolgen: bis zum 17. März beim ZDF, danach bis zum 21. März in der ARD. Wo haben die Paralympics überhaupt ihren Ursprung? Und wie wurden sie zu den wichtigsten Wettkämpfen für behinderte Sportler? Antworten darauf haben wir für Sie recherchiert.

Ich wünsche Ihnen eine spannende Zeit.

Ihre

Dunja Herrmann
Redakteurin Täglich durchblicken


 
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   Über das Auf und Ab der Paralympics

Was sind die Paralympics?
Die Paralympics sind die Olympischen Spiele für Sportler mit körperlicher Behinderung. Sie finden in der Regel im Anschluss an die regulären Olympischen Spiele statt. Nicht zu den Paralympics gehören die Deaflympics (Olympiade der Gehörlosen, von engl. deaf = taub) und die Special Olympics (Olympische Spiele für geistig Behinderte).

Wie alles begann
Ludwig Guttmann (1899-1980), ein deutsch-jüdischer Arzt und Neurologe, arbeitete in den 1940er-Jahren in Südengland in einer Klinik namens „Stoke Mandeville“. Dort widmete er sich der Rehabilitation von Querschnittsverletzten des 2. Weltkriegs. Er erkannte, wie wichtig Sport und Bewegung auch für Gelähmte im Rollstuhl sind. Deshalb veranstaltete er am 28. Juli 1948 den 1. Rollstuhlwettkampf der Klinik. Dieses Datum wählte er bewusst, denn am gleichen Tag wurden in London die Olympischen Sommerspiele eröffnet.

In den Folgejahren verbreiten sich die Wettkämpfe der Rollstuhlfahrer erst in England, dann in Europa. Im Jahr 1960 finden in Rom erstmals die „Internationalen Weltspiele der Gelähmten“ statt – im Anschluss an die reguläre Olympiade. Für heutige Verhältnisse unvorstellbar: Alle Teilnehmer (ausschließlich Rollstuhlfahrer!) waren im 1. Stock der auf Säulen erbauten Häuser untergebracht – ohne Rampen und Aufzüge.

Was bedeutet der Name „Paralympics“?
Viele Jahre lang hießen die Olympischen Spiele der Behinderten nach ihrem Ursprungsort „Stoke Mandeville Games“. Erst im Jahr 1988 wendete sich das Blatt: Die Sommerspiele in Korea erhielten erstmalig offiziell den Namen „Paralympics“ .

Die Veranstalter sahen in dem Begriff zunächst eine Kombination aus den Wörtern Paralysis (engl. für Lähmung) und Olympics (engl. für Olympiade). Um auch Menschen mit anderen Behinderungsarten einzubeziehen, definierten sie ihn später neu: Jetzt gilt er als Zusammensetzung aus der griechischen Silbe para (= neben) und Olympics, um die Nähe zur olympischen Bewegung und das Nebeneinander der Spiele auszudrücken.

Peinliches Verhalten der Veranstaltungsorte
Seit den 1990er-Jahren finden die Paralympics regelmäßig am selben Ort wie die Olympischen Spiele statt. Dies ist in einem Abkommen zwischen dem IOC (Internationales Olympisches Komitee) und dem IPC (Internationales Paralympisches Komitee) geregelt. Die Städte, die sich um die Ausrichtung olympischer Spiele bewerben, müssen die Paralympics von vornherein in ihre Bewerbung miteinbeziehen. Das war nicht immer so: Im Jahr 1970 beispielsweise fanden die Behindertenwettkämpfe nicht in München statt, weil die Stadt das olympische Dorf bereits abreißen bzw. umbauen ließ. (Zum Glück sprang Heidelberg als Austragungsort ein.) Und im Jahr 1984 weigerten sich die Organisatoren der Sommerspiele von Los Angeles (USA), die Paralympics durchzuführen. Ihre Begründung: Dies passe nicht in das „professionelle Image“ der Spiele von Los Angeles.


 
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