23. März 2010

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Papst schrieb einen Hirtenbrief nach Irland – die Missbrauchsfälle in Deutschland erwähnte er darin nicht. Viele Menschen hier sind darüber entrüstet, einige Vertreter der katholischen Kirche finden, aus dem Inhalt könne man auch für Deutschland eine Botschaft ableiten. Hirtenbrief ist nicht etwa ein Name, der erst jetzt „erfunden“ wurde, sondern er hat Tradition. Welche, das lesen Sie unten.

Ihre

Dunja Herrmann
Redakteurin Täglich durchblicken

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   Was ist ein Hirtenbrief?
Ein Hirtenbrief ist ein Schreiben, dessen Absender ein Hirte ist. Der Hirte ist derjenige, der für seine Schafe und die ganze Herde die Verantwortung trägt und sie führt. Im übertragenen Sinne ist der Ausdruck sowohl außerhalb als auch innerhalb des Christentums gebräuchlich gewesen. Im Alten Testament ist z. B. Moses der Hirte des Israeliten-Volkes, das er ins gelobte Land führt. Im neuen Testament bezeichnet sich Jesus selbst als „der gute Hirte“.

In dieser Logik sind praktisch alle kirchlichen Würdenträger Hirten, ihre Gläubigen sind die Schafe, deren Gemeinschaft die Herde. In der römisch-katholischen Kirche verfassen Bischöfe regelmäßig Hirtenbriefe an ihre Gläubigen, etwa zur Fastenzeit. Die Rundschreiben haben allgemeine Glaubens- oder Gesellschaftsfragen zum Thema und werden der jeweiligen Kirchengemeinde in der Messe vorgelesen.

Dann gibt es noch die Hirtenbriefe, die außer der Reihe geschrieben werden – wenn die Umstände es erfordern. Einen solchen Brief hat Papst Benedikt XVI. gerade an die Iren geschickt, um Stellung zu den dortigen Missbrauchsfällen zu beziehen. Das Kirchenoberhaupt verfasst neben seinen verbindlich formulierten Lehrschreiben (= Enzyklika) übrigens mehrere Hirtenbriefe im Jahr.


 
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