26. März 2010

Liebe Leserin, lieber Leser,

so einen Tag wie heute gibt es in Deutschland erst seit 2008 – und er findet jedes Jahr an einem anderen Datum statt. Verwirrend? Keineswegs: Wir haben heute den Equal Pay Day, den Tag der gleichen Entlohnung. Und der ist dann gekommen, wenn Frauen rein rechnerisch dasselbe Jahresgehalt auf dem Konto haben wie Männer. Wegen der erheblichen Lohnunterschiede ist das erst fast drei Monate nach Jahresende der Fall ... Kaum zu glauben? Unten habe ich aktuelle Zahlen für Sie.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

 

Ihre

Dunja Herrmann
Redakteurin Täglich durchblicken

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   Welche Berechtigung hat der Equal Pay Day?

Wenn Sie heute jemandem mit einer auffallend roten Tasche begegnen, auf der womöglich noch „Equal Pay Day,-“ steht, dann seien Sie gewiss: Die Person protestiert gegen die Entgeltungerechtigkeit, die hierzulande Fakt ist. Die rote Tasche wurde zum Symbol des Aktionstages und das bereits in den USA, wo es schon seit Mitte der 1990er-Jahre einen Equal Pay Day gibt.

Nach Deutschland gelangte die Kampagne durch den Verein Business and Professional Women Germany e.V. (BPW), der den 1. Aktionstag dieser Art initiierte. Seither wird der Termin für den Equal Pay Day jedes Jahr auf Grundlage aktueller Statistiken neu festgelegt. Ausschlaggebend sind die durchschnittlichen Jahreseinkommen von Männern und Frauen in Deutschland. Frauen müssen nach Silvester noch mehrere Wochen, gar Monate arbeiten, um dasselbe Lohnniveau wie Männer zu erzielen. Das Statistische Bundesamt hatte für Deutschland kürzlich einen Unterschied von 23,2 Prozent ausgewiesen. In der EU gehört Deutschland damit zu den Schlusslichtern. Im EU-Durchschnitt liegt die Verdienstungleichheit bei 18 Prozent.

Frauen in Führungspositionen haben sogar noch einen größeren Abstand zu ihren männlichen Kollegen: 2008 liegt der Verdienstunterschied unter den in Vollzeit angestellten Führungskräften bei 28 Prozent. Dies geht aus den jüngsten Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP)* hervor. „Seit 2001 haben sich die Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern in Deutschland weder bei den Führungskräften noch insgesamt signifikant verringert“, sagte DIW-Forscherin Anne Busch. Damals hatten Bundesregierung und deutsche Wirtschaft eine freiwillige Vereinbarung zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft geschlossen.

Ursachen für die Verdienstunterschiede sehen die DIW-Wissenschaftlerinnen unter anderem darin, dass Frauen und Männer in unterschiedlichen Berufen und Branchen tätig sind. „Generell werden in frauendominierten Branchen schlechtere Verdienste erzielt – das gilt auch für Führungskräfte“, sagt Anne Busch. Je höher eine Position im Unternehmen sei, desto geringer seien Frauen dort vertreten. Ein großer Teil der Verdienstunterschiede sei durch messbare Indikatoren nicht erklärbar. Hier würden gesellschaftliche und kulturelle Rahmenbedingungen eine Rolle spielen, etwa Stereotypen, die häufig zu Nachteilen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt führten. Allerdings seien diese Mechanismen meist nur schwer aufzudecken.

* Das sozio-oekonomische Panel ist eine regelmäßige repräsentative Befragung von rund 11.000 deutschen Privathaushalten. TNS Infratest Sozialforschung befragt im Auftrag des DIW Berlin jährlich dieselben Personen und Haushalte über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung oder Gesundheit. So ist es möglich, langfristige soziale und gesellschaftliche Trends auszumachen.


 
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