Wenn Sie
heute jemandem mit einer auffallend roten Tasche begegnen, auf der womöglich
noch „Equal Pay Day,-“ steht, dann seien Sie gewiss: Die Person protestiert gegen
die Entgeltungerechtigkeit, die hierzulande Fakt ist. Die rote Tasche wurde zum
Symbol des Aktionstages und das bereits in den USA, wo es schon seit Mitte der
1990er-Jahre einen Equal Pay Day gibt.
Nach
Deutschland gelangte die Kampagne durch den Verein Business and Professional
Women Germany e.V. (BPW), der den 1. Aktionstag dieser Art initiierte. Seither
wird der Termin für den Equal Pay Day jedes Jahr auf Grundlage aktueller
Statistiken neu festgelegt. Ausschlaggebend sind die durchschnittlichen Jahreseinkommen
von Männern und Frauen in Deutschland. Frauen müssen nach Silvester noch
mehrere Wochen, gar Monate arbeiten, um dasselbe Lohnniveau wie Männer zu erzielen.
Das Statistische Bundesamt hatte für
Deutschland kürzlich einen Unterschied
von 23,2 Prozent ausgewiesen. In der EU gehört Deutschland damit zu den
Schlusslichtern. Im EU-Durchschnitt liegt die Verdienstungleichheit bei 18
Prozent.
Frauen in Führungspositionen haben
sogar noch einen größeren Abstand zu ihren männlichen Kollegen: 2008 liegt der
Verdienstunterschied unter den in Vollzeit angestellten Führungskräften bei 28
Prozent. Dies geht aus den jüngsten Daten des Sozio-oekonomischen Panels
(SOEP)* hervor. „Seit 2001 haben sich die Verdienstunterschiede zwischen Frauen
und Männern in Deutschland weder bei den Führungskräften noch insgesamt
signifikant verringert“, sagte DIW-Forscherin Anne Busch. Damals hatten
Bundesregierung und deutsche Wirtschaft eine freiwillige Vereinbarung zur
Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft
geschlossen.
Ursachen für die
Verdienstunterschiede sehen die DIW-Wissenschaftlerinnen unter anderem darin,
dass Frauen und Männer in unterschiedlichen Berufen und Branchen tätig sind.
„Generell werden in frauendominierten Branchen schlechtere Verdienste erzielt –
das gilt auch für Führungskräfte“, sagt Anne Busch. Je höher eine Position im
Unternehmen sei, desto geringer seien Frauen dort vertreten. Ein großer Teil
der Verdienstunterschiede sei durch messbare Indikatoren nicht erklärbar. Hier
würden gesellschaftliche und kulturelle Rahmenbedingungen eine Rolle spielen, etwa
Stereotypen, die häufig zu Nachteilen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt führten.
Allerdings seien diese Mechanismen meist nur schwer aufzudecken.
* Das sozio-oekonomische Panel ist eine
regelmäßige repräsentative Befragung von
rund 11.000 deutschen Privathaushalten. TNS
Infratest Sozialforschung befragt im Auftrag des DIW Berlin jährlich
dieselben Personen und Haushalte über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung oder
Gesundheit. So ist es möglich, langfristige soziale und gesellschaftliche
Trends auszumachen.