Bibendum ist das Reifenmännchen und Markenzeichen von Michelin. Es entstand 1894 aus einem „Reifenstapel mit menschlichen Konturen“. Als Edouard Michelin auf der Weltausstellung in Lyon auf einen Stapel Reifen blickte, die weiß verhüllt waren, sagte er zu seinem Bruder André: „Wenn er Arme hätte, sähe er fast wie ein Mensch aus.“ Er erinnerte sich dann an ein Werbeplakat, auf dem ein dicker biertrinkender Bayer mit dem lateinischen Spruch „Nunc est bibendum“ (Nun wird getrunken/Lasst uns anstoßen) abgebildet war.
Die Brüder ließen nun selbst ein Plakat anfertigen, auf dem ein großer Reifenmann zu sehen war, in der Hand ein mit Glasscherben und Nägeln gefüllter Pokal. Darüber der Trinkspruch „Nunc est bibendum“, darunter stand auf französisch „À votre santé! Le pneu Michelin boit l'obstacle!“, was so viel heißt wie: „Auf Ihr Wohl! Michelin verschluckt die Hindernisse!“ Denn das war das Alleinstellungsmerkmal von Michelin: „Der Luftreifen schluckt die Hindernisse“, hatte André Michelin 1893 auf einer Ingenieurskonferenz in Paris gesagt, um die Vorteile der Michelin-Erfindung zu beschreiben. Das Michelin-Männchen bestand anfangs aus 40 Reifenwülsten, mittlerweile sind es 26.
Und hier noch ein paar Worte zum Michelin-Führer Deutschland: Als 1910 der Michelin-Führer „Deutschland und Schweiz“ (mit Reisetipps für die Schweiz) herauskommt, ist sein Konzept in Frankreich bereits seit zehn Jahren etabliert. André und Edouard Michelin wollten mit dem „Guide Michelin“ die Verbreitung des Automobils fördern und dem Reifenmarkt Impulse geben. Dabei stießen sie in eine Marktlücke. Auf deutschen Straßen verkehrten 1910 bereits 50.000 Kraftfahrzeuge. Doch die Service-Infrastruktur für Automobilisten war dünn. Die Straßen waren vielfach weder beschildert noch asphaltiert und die Fahrzeuge sehr anfällig. Ein praktischer Reisehelfer wie der Michelin-Führer kam hier wie gerufen.
Entsprechend deutlich unterschied er sich von den heutigen Ausgaben. Das „den Herren Automobilisten“ gewidmete Buch enthielt detaillierte Ratschläge zu Reifenwechsel und -reparaturen. Hinzu kamen die Namen von Werkstätten, Batterieladestationen, Benzin- und Öldepots. Auch Unterkünfte listete der erste Führer auf und erwähnte, ob das Hotel eine Reparaturgrube für Kfz bot.
Bereits 1910 bediente sich der Michelin-Führer zur Information der Leser eingängiger Symbole. Während sie bei den Hotels anfangs Aufschluss über heute selbstverständliche Komfortmerkmale wie Bad, Zentralheizung und elektrisches Licht gaben, verwiesen sie später auf Annehmlichkeiten wie Telefon oder Fernseher in den Zimmern. Die Hotelauswahl nahm sich im Vergleich zu heute bescheiden aus. Neben den Preisen für Übernachtung und Mahlzeiten lieferte der Band auch Angaben zu den Verpflegungskosten für den Chauffeur. Restaurantempfehlungen tauchten jedoch erstmals in der Frankreich-Ausgabe 1923 auf. 1966 erhielten die ersten 66 Häuser in der Bundesrepublik einen Stern für eine besonders gute Küche.
Quelle: Michelin