
Liebe Leserin, lieber Leser,
es gibt viele Gründe, etwas nicht zu tun: schlechte Erfahrungen, Bequemlichkeit, Unsicherheit, Angst vor Blamage. Aber: Wer sich nicht bewegt, wird die Welt über kurz oder lang mit kritischen Augen betrachten. Zu einem erfüllten Leben gehört es, die Möglichkeiten, die das Leben bietet, zu nutzen, sich neuen Herausforderungen zu stellen.
Viele neue Dinge machen uns erst einmal Angst. Angst ist ein Schutzmechanismus, der uns davor behütet, uns unnötig in Gefahr zu begeben. Deshalb meiden wir riskante Unternehmungen, legen unser Geld lieber aufs Sparbuch, verriegeln nachts Tür und Tor.
Alle Menschen haben Ängste und viele leben gut damit. Allerdings: Zu viele Ängste lähmen, verleiten uns, Neuem, Ungewohntem skeptisch gegenüberzutreten oder gleich ganz zu vermeiden. Dabei geht es nicht nur um Phobien, Angst vor bestimmten, meist harmlosen Tieren, Angst vor Dunkelheit, Angst vor überfüllten Räumen, Angst vor Höhen, Angst vor dem Fliegen. Es geht auch um so verbreitete Formen wie Angst vor dem Alleinsein, die dazu führt, dass selbst zerrüttete Beziehungen immer wieder gekittet werden, Angst vor Nähe, die Menschen zu Eigenbrötlern werden lässt, Angst vor Krankheiten, die aus Menschen Hypochonder macht, Angst vor dem sozialen Abstieg als Folge des Arbeitsplatzverlustes.
Angst und Furcht entstehen aus dem Gefühl heraus, Situationen nicht einschätzen zu können oder aus dem Gefühl, einer Situation nicht gewachsen zu sein. Deshalb gehen Ängste häufig mit Veränderungen einher, vor allem mit Veränderungen, die von außen an uns herangetragen werden, deren Auswirkungen wir schlecht abschätzen können. Ängste haben aber auch etwas mit der Belastung zu tun und mit der eigenen Wahrnehmung: Nimmt man neue Situationen als Herausforderung oder als Überforderung wahr?
Gespeist werden Ängste aus Erlebnissen, die meist lange zurückliegen, die Sie längst vergessen haben, und von unserer Fantasie. Was kann nicht alles passieren, wenn ich mich traue ... Unser Gehirn ist ohne Probleme in der Lage, wüste Horrorszenarien zu produzieren, wenn wir es nur wollen.
Ohne etwas Neues anzugehen, sind aber keine neuen Erfahrungen möglich, ohne neue Erfahrungen kann man seinen Horizont nicht erweitern und auch nicht wachsen. Denn jede neue Erfahrung macht uns souveräner, wir wissen mehr und können Dinge besser beurteilen. Ob der Weg, den Sie antreten, dann eher steinig ist oder sich gar als Sackgasse erweist – die Erfahrungen kann Ihnen niemand nehmen.
Die Schwierigkeit beim Umgang mit Ängsten liegt darin, dass Ängste uns ohnmächtig machen, wir uns in der Folge mit dem vermeintlichen Problem erst gar nicht beschäftigen wollen und keinen rationalen Zugang finden. Die Chance, dann Misserfolge zu erleben oder das Geschehen als Misserfolg zu interpretieren, ist groß.
Probieren Sie das Verhalten aus, von dem Ihre Angst Sie abhält – in kleinen Schritten, ohne dass Sie sich überfordern. Erobern Sie sich Ihre Handlungsfreiheit wieder zurück. Denken Sie an den Spruch: Man soll nicht bedauern, was man getan hat, sondern das, was man nicht getan hat.