
Liebe Leserin, lieber Leser,
„Empathie ist das Band, das uns mit anderen verbindet.“ Mit diesem kurzen Satz drückt sich aus, welchen enormen Stellenwert Empathie in unserem Leben hat.
Denn: Empathie befähigt uns, den anderen zu verstehen und am Leben anderer teilzuhaben. Zudem erweitern wir durch Empathie uns selbst sowie unsere Weltsicht und – in der Wechselwirkung – unser Selbstverständnis. „Empathie macht uns kreativer, toleranter, flexibler – und gewährt uns das Glück des Verstehens. ... Ohne Empathie gäbe es kein Verständnis, keine dauerhaften Beziehungen und keine Intimität zwischen Menschen.“
Empathie ist mehr als ein Mitfühlen oder Wissen darum,wie der andere sich fühlt. Durch Empathie können wir die Gefühle und Gedanken anderer Menschen verstehen lernen – unabhängig davon, ob wir sie teilen oder nicht.
Dies setzt unsere Aufmerksamkeit für den anderen voraus – und vor allem: die Fähigkeit, genau und vorurteilsfrei zuzuhören und hinzusehen.
Sie können Ihren empathischen Blick trainieren, um sich den Zugang zu den Gefühlen und Gedanken eines anderen Menschen zu öffnen:
1. Verlangsamen Sie den Prozess:
Wenn heftige Emotionen den Blick des anderen verengen, ihn stressen und zu vorschnellen Schlüssen zu verleiten drohen, dann sollten wir gerade nicht mit noch schnelleren Schlüssen unsere Sicht der Dinge „an den Mann bringen“. Helfen wir besser durch unsere Empathie dem anderen dabei, wieder das große Ganze zu sehen und sich Zeit für wichtige Entscheidungen, für seine Gedanken und Gefühle zu nehmen.
2. Fragen Sie richtig:
Fragen Sie empathisch: Stellen Sie offene Fragen, die keine Urteile und Einschätzungen enthalten und keine Antworten vorwegnehmen.
Beispiel: Fragen Sie nicht: „Du willst also wirklich deinen Job hinschmeißen?“ Sondern stellen Sie eine Frage, die dem anderen hilft, sich selbst zu erforschen, und die ihm zeigt, dass Sie an seinen Ansichten interessiert sind: „Was gefällt dir nicht an deinem Job?“
3. Achten Sie auf den Körper und die Körpersignale:
Damit ist sowohl der Körper des anderen als auch der eigene Körper gemeint. Denn die Gefühle des anderen können Sie leicht anstecken. Ist er beispielsweise wütend, greift über dessen Gestik, Mimik und Ausdruck seine Wut auch auf Sie selbst über. Sie reagieren evtl. mit Abwehr.
Empathisch ist es dagegen, wenn Sie sich daran erinnern, dass Sie selbst ab und zu wütend und jetzt nicht die Zielscheibe der Wut sind. Dann können Sie bewusst dagegen ansteuern, dass diese Gefühle auf Sie übergreifen. Lächeln Sie beispielsweise ein wenig, um sich in Richtung Entspannung zu beeinflussen. So können Sie allmählich auch auf den anderen beruhigend wirken, zumindest aber für ihn offen bleiben. Sie selbst sind nicht erregt. Sie können dem anderen weiter aufmerksam zuhören.
4. Behalten Sie die Vergangenheit im Blick:
Das aktuelle Verhalten, das ein anderer Ihnen gegenüber zeigt,muss nichts mit der gegenwärtigen Situation und auch gar nichts mit Ihnen zu tun haben. Vielleicht wirkt gerade ein Ereignis der Vergangenheit auf den anderen, und Sie bekommen das zufällig ab. Bleiben Sie, statt mit gleicher Münze zurückzuzahlen, objektiv; schauen Sie genau – empathisch – hin.
5. Lassen Sie den anderen seine Geschichte erzählen:
Lassen Sie ihn wirklich zu Ende erzählen! Unterbrechen Sie nicht, urteilen Sie nicht vorschnell, drängen Sie ihm Ihre Ratschläge nicht auf. Nehmen Sie sich zurück, damit Sie die Gefühle und Gedanken des anderen wirklich verstehen können. Nur das hilft ihm und verbindet Sie beide.
Kurzum: Sie können Empathie nicht ad hoc erwerben. Aber Sie können Ihre empathischen Fähigkeiten in jedem Gespräch weiter entwickeln. Darauf zu achten lohnt sich in jedem kleinen Dialog.