Krempelopfer haben nicht nur eine
schlechte Abwehr gegenüber Kaufimpulsen, sondern werden auch zu Hause von der
Furcht bestimmt, zu ihren vielen Dingen bloß nicht nein zu sagen. Das gilt für
unbenutzte Geschenke wie für Erbstücke, die ihnen ins Haus gespült wurden. Wenn
sie sich von etwas trennen sollen, seufzen Krempelopfer: „Ich kann nicht.“
Dahinter steckt die Angst, dass das Sonderangebot eine überflüssige Ausgabe
gewesen sein könnte, das Laufband eine Fehlinvestition oder dass es falsch war,
Omas alte Sachen bei sich aufzunehmen. Um nicht schlecht vor sich selbst
dazustehen, bleiben die Dinge, wo sie sind. Damit aber haben Sie Ihre Fehler
weiterhin vor Augen – und das tut weh.
Der Satz „Ich kann nicht“ ist ein
Eingeständnis Ihrer Entscheidungsschwäche. Ersetzen Sie ihn durch den Satz „Ich
entscheide mich dafür, es nicht zu tun“. Damit kehren Sie zurück ins Land der
Handlungsfähigen. Trainieren Sie Ihre Nein-Kraft zuerst an kleinen Dingen: „Ich
entscheide mich dafür, mich jetzt sofort davon zu trennen.“ Damit demonstrieren
Sie Ihrem Unterbewusstsein, dass Sie in der Lage sind, eine Wahl zu treffen. Irgendwann
ist Ihr Selbstbewusstsein so sehr gestiegen, dass Sie sich auch in wichtigen
Fragen entschieden abgrenzen können.
Tricksen Sie außerdem Ihren Ja-Reflex
gegenüber nutzlosen Sachen aus. Wenn Sie wieder einmal meinen, sich von einer
Sache nicht trennen zu können, fragen Sie sich laut: „Könnte ich dieses Stück
sofort weggeben, wenn ich wüsste, dass damit ein Leben gerettet wird?“ Können
Sie diese Frage bejahen, dann trennen Sie sich getrost davon. Das Leben, das
Sie retten, ist Ihr eigenes! Sie gewinnen Lebenszeit und Raum in Ihrer Seele,
die Ihnen der Besitz von zu viel Krempel bisher geraubt hat.
5 Fragezeichen, mit denen Sie neue
Maßstäbe setzen
Steigern Sie Ihre Abwehrkraft mit
folgenden Fragen:
1. Wer möchte mich hier wie
beeinflussen? Rücken Sie ab von allen Letzte-Chance-Angeboten und allen drängenden
Versuchen, Sie zum Kauf oder zur Annahme zu überreden.
2. Gefällt mir das auch nächstes Jahr
noch? Legen Sie Distanz zwischen sich und das lockende Angebot, räumlich und
zeitlich. Ziehen Sie sich für 10 Minuten zurück, gehen Sie in ein anderes Stockwerk
im Kaufhaus, oder legen Sie das Telefon auf und versprechen Sie, zurückzurufen.
Fragen Sie sich dabei, welche Eigenschaften ein Angebot haben muss, damit Sie
es annehmen. Akzeptieren Sie keine schlechtere Note als „sehr gut“.
3. Ginge es mir schlechter, wenn ich
von diesem Angebot nie erfahren hätte? Was gewinnen Sie, dass sich Preis,
Pflege und Aufbewahrung dieses Gegenstandes wirklich lohnen? Was lassen Sie
stattdessen zu Hause los?
4. Stehe ich voll und ganz hinter
dieser Entscheidung? Sagen Sie sich: Ich entscheide mich hier bewusst gegen zu
viel Krempel. Vergrößern Sie Ihre Souveränität, indem Sie sich daran erinnern,
wie oft Sie mit einem Nein eine sehr gute Entscheidung getroffen haben.
5. Hilft mir dieses Ding wirklich bei
meiner persönlichen Entfaltung? Sagen Sie „Nein, danke“, wenn der Krempel bei
Ihnen anklopft. Rechnen Sie es sich sofort als persönlichen Verdienst an, als
konsequente, selbstbewusste Person die bestmögliche Wahl gegen unnötigen
Ballast getroffen zu haben.
Zum Weiterlesen: Harriet Schechter,
Entrümpeln Sie Ihr Leben! mvg Verlag, München 2002