15
Sekunden sind psychologisch gesehen ein sehr kurzer Zeitraum. Aber es ist der
typische Zeitraum, in dem unser Bewusstsein sich mit dem Unterbewusstsein
abstimmt und Entscheidungen trifft. Wenn
dieser Anfang gemacht ist, werden Sie im weiteren Tagesverlauf immer wieder auf
weitere 15-Sekunden-Entscheidungen stoßen – Weichenstellungen, die Ihnen ohne
die Prioritätensetzung am Morgen gar nicht bewusst geworden wären.
Beispiel
1: Abnehmen
Das
Ziel, weniger und gesünder zu essen, lässt sich in eine große Zahl kleiner
Entscheidungen aufteilen: Beim Frühstück nach der ersten Semmel aufhören. Die
Butter unter der Marmelade weglassen. Sich beim Mittagessen nur wenig auf den
Teller laden. Nicht ein zweites Mal nachholen. Keine Zwischenmahlzeit
einnehmen. Beim Stückchen Kuchen nein sagen. Das Abendessen weglassen. Nach 20
Uhr keine Chips essen. Jede dieser Entscheidungen dauert um die 15 Sekunden.
Innerhalb dieses Zeitraums muss Ihr Bewusstsein Ihr Unterbewusstsein
überzeugen.
Die
entscheidende Weichenstellung geschieht am Beginn des Tages. Konzentrieren Sie
sich, solange noch kein Essen in der Nähe ist, 15 Sekunden lang ausschließlich
und mit aller inneren Kraft auf das Ziel „Abnehmen“. Dabei wird in Ihrem Kopf
der Schalter umgelegt: Heute wird bei sämtlichen 15-Sekunden-Entweder-Oders zu
Gunsten des Programms „Abnehmen: ja“ entschieden.
Beispiel
2: Mehr Geld verdienen
Werden
Sie sich zunächst vollkommen klar darüber, ob Sie diesem Ziel wirklich und mit
gutem Gewissen die oberste Priorität einräumen. Sammeln Sie alle Argumente, die
Ihre Seele dagegen auffahren könnte: Dass das eine höhere Belastung für Sie
bedeuten könnte, mehr Verantwortung, mehr Risiko, weniger Freizeit. Widerlegen
Sie eines nach dem anderen, und wenn Sie sich ganz sicher sind, finden Sie ein
paar Sätze, die Sie in Ihrem allmorgendlichen 15-Sekunden-Programm zu sich
sprechen können.
Durch
den umgelegten „15-Sekunden-Schalter“ trimmen Sie sich darauf,
Entscheidungssituationen wahrzunehmen: eine schwierige Aufgabe annehmen, die
Sie vielleicht weiter bringt; einen Menschen treffen, der vielleicht Ihr
Vorbild wird; eine Fortbildung besuchen; vom Neid zum Nachmachen finden.
15-Sekunden-Geheimnis
1: Unterscheiden Sie zwischen Tat und Tätigkeit
Taten
befreien, Tätigkeiten versklaven. Stellen Sie sich eine Ratte in einem Käfig
mit Laufrad vor. In der Mitte des Käfigs befindet sich ein roter Knopf, der die
Tür des Käfigs öffnet. Da das Ziel der Ratte die Freiheit ist, wird sie
unverzüglich den roten Knopf betätigen und sich nicht mit Herumrennen im
Laufrad beschäftigen. Das Drücken des befreienden Knopfes ist eine Tat, das
Laufen im Rad eine Tätigkeit. Eine Tat führt zu einem Ziel, eine Tätigkeit
bleibt ohne Folgen.
15-Sekunden-Geheimnis
2: Schreiten Sie zur Tat
Überlisten
Sie Ihre Trägheit. Schalten Sie den 15-Sekunden-Prozess „Mache ich doch lieber
erst morgen“ aus, indem Sie in Ihrem Kalender und auf Ihren To-do-Listen nicht
Oberbegriffe aufschreiben, sondern Ihre konkrete Tat:
- Statt „Brief an Dr. Wagner schreiben“
notieren Sie den ersten Satz: „Lieber Herr Dr. Wagner, meine Unzufriedenheit
mit Ihrer Bank hat einen Punkt erreicht ... “
- Statt „Petra
anrufen“:
0228/7766553,
Petra.
- Statt „Tisch
reservieren“: 0221/353546, 12.8., 19.00, 4 Personen.
- Statt „Einkaufen!!“:
Senf, Ketchup, Margarine, Salat, Tomaten.
- Statt „Michael
Bücherkisten vorbeibringen“: Sauermann, Pilatistraße 17, 4. Stock, 2
Bücherkisten
Noch besser:
Führen Sie die Tat aus – bevor Sie sie irgendwo niederschreiben müssen.
15-Sekunden-Geheimnis
3: Vergnügen hat Priorität
Bei
den vielen unbewussten Entscheidungen während eines Tages siegt meist der „breite
Weg“, die bequeme Lösung, die mehr Spaß macht. Am Ende des Tages aber merken
wir, dass wir dadurch keineswegs fröhlicher geworden sind. Im Gegenteil,
Zufriedenheit und Freude kommen viel eher nach einem anstrengenden Tag auf.
Nehmen Sie während einer 15-Sekunden-Entscheidung diesen Weg Ihrer persönlichen
Zufriedenheit vorweg – und entscheiden Sie sich dann für das wahre Vergnügen:
das, das Sie nicht nur am Abend, sondern auch noch am nächsten Tag glücklich
lächeln lässt.
Führen
Sie Ihre Tat dann so aus:
-
Entspannt
(nicht verkrampft)
-
Mit
Energie (nicht mit Gewalt)
-
Zentriert
(blenden Sie andere wichtige Dinge aus)
-
Vertrauensvoll (ohne
Selbstzweifel; glauben Sie an sich!)