Zu allen Zeiten haben
Menschen an den Wendepunkten ihres Lebens aus Ritualen Kraft und Sicherheit
geschöpft. Doch für so manche Umbrucherfahrung, die wir modernen Menschen
machen, gibt es keine hilfreiche Tradition. Wir möchten Sie daher ermutigen:
Entwickeln Sie selbst für Ihre persönlichen Wendepunkte solche Kraft spendenden
Rituale!
simplify-Tipp für Skeptiker: Achten Sie in den
nächsten Tagen darauf, welche wohltuenden rituellen Handlungen Sie in Ihren
Alltag eingebaut haben: vielleicht den abendlichen Gang durchs Haus oder das
Glas Sekt, das Sie mit Ihrer Frau/Ihrem Mann bei der Heimkehr von einer
Dienstreise trinken oder …
Abschied und Neuanfang
Rituale gelten immer beidem.
Denn auch alles willkommene Neue – etwa das neue Liebesglück, der Umzug in eine
schönere Wohnung oder der ersehnte Ruhestand – ist mit einem möglicherweise
belastenden Abschied verbunden. Genauso birgt jeder schmerzhafte Abschied – z.
B. das Loslassen des früheren Partners, erwachsen gewordener Kinder oder der
eigenen Lebensträume – die Chance zu einem Neuanfang.
Wichtig: Rituale sind keine
„Sponti-Events“, sondern wollen sorgfältig gestaltet werden: mit symbolhaften
Gegenständen, Bewegungen und Handlungen, besonderer Kleidung, Musik … Gehen Sie
im Ritual (wie in Ihrem Leben!) den Weg vom Alten zum Neuen. Beispiel: Nach
einer schweren Krankheit schließen Sie erst mit dieser ab, etwa indem Sie aus
Ihrer Wohnung alle nicht mehr benötigten Krankenutensilien entfernen.
Anschließend setzen Sie ein Zeichen der Lebensfreude, indem Sie am selben Ort
mit Ihren Freunden ein fröhliches Fest feiern.
Suchen Sie Gemeinschaft
Rituale entfalten ihre volle
Kraft erst in der Gemeinschaft! Optimal: Sie kennen andere Menschen, die an
einem ähnlichen Wendepunkt stehen, sich also beispielsweise gerade von ihrem
Partner/ihrer Partnerin getrennt haben oder nach einer schweren Krankheit
wieder gesund geworden sind. Gestalten Sie zusammen ein Trennungs- oder ein
Heilungsritual! Ist dies nicht möglich, so bitten Sie Ihre engsten Freunde oder
einen einzigen Freund/eine einzige Freundin, als Zeuge(n) und Helfer dabei zu
sein.
Zu den wichtigen
Lebensaufgaben rund um Abschied und Neubeginn gehören:
Sich von der Vergangenheit lösen: Verbrennen oder
vergraben Sie etwas, das für Ihr altes Leben steht – z. B. die Briefe Ihres
Ex-Partners, eine Zigarettenpackung (wenn Sie mit dem Rauchen aufhören), einen
Schlüssel als Zeichen für das Traumhaus, das Sie nie bauen werden … Indem Sie
sich von einem Gegenstand abwenden, können Sie die Trennung auch körperlich
nachvollziehen.
Danken: Starke negative Gefühle wie Zorn oder
Verachtung fesseln Sie an die Vergangenheit. Wenn Sie Ihr Leben dagegen (auch)
mit Dankbarkeit betrachten können, fällt es Ihnen leichter, sich zu lösen.
Drücken Sie Ihren Dank aus, indem Sie sich vor einem Symbol für das Alte
verneigen oder etwas von sich hergeben.
Offen sein für das Kommende: Zeigen Sie sich
bereit, indem Sie das Neue symbolisch – z. B. in Form des Schlüssels zu Ihrer
neuen Wohnung – in die Hand oder zu Herzen nehmen.
Unser Tipp: Auch wenn Ihre Zukunft noch
in den Sternen steht, können Sie den Wandel symbolisch vollziehen: Wechseln Sie
dazu Ihre Kleidung oder legen Sie einige Samenkörner in die Erde. Auch Ihre Bedürfnisse sollen
im Ritual Platz finden, etwa das Bedürfnis nach Reinigung von alten Belastungen (baden, einen Teil des Körpers
waschen), nach Schutz (andere bilden
einen Kreis um Sie herum) oder Segen
(andere legen Ihnen die Hände auf).
Der richtige Ort
Wählen Sie für Ihr Ritual
einen möglichst ruhigen Ort, der Ihnen etwas bedeutet. Das kann einfach Ihre
Wohnung sein, besonders gut eignen sich aber auch Plätze in der Natur: Der
Himmel über Ihnen erleichtert eine Verbindung „nach oben“, das Grün der Bäume
symbolisiert und schenkt Lebenskraft, ein kleiner Bach lässt Sie nachempfinden,
dass Wandel zum Leben dazugehört.
Eine spannende Lektüre, der wir die grundlegenden Hinweise zu Ritualen
verdanken: Heribert Fischedick, Die Kraft der Rituale. Lebensübergänge bewusst
erleben und gestalten. Kreuz Verlag. Stuttgart 2004